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Dersum-ein starkes Stück ländlicher Kultur im Norden des Emslandes

Dr. Heinz Spranger*

Kilometer mal Kilometer Land, mit ungefähr 3000 Hektar ausgewiesen, Dorfkern mit der Kirche St. Antonius, Kolpingplatz mit glasbeblätterter Stahlskulptur und Ruhebänken, ortsansässiger Bauernschaft mit ihren Gehöften, umrissen von Wohnhäusern, windbrechenden Baumflecken und Sträuchern, nur mit den nötigsten Siedlungen und einem Sportpark: Das und kein wenig mehr ist der Bürgerbaum-Ort Dersum. Aber – man kann auf ihn stolz sein!

Gesprächsstoff in Niedersachsen
In diesen „Flecken“ nimmt die Kulturgeschichte Dersums ihre Leser und Interessierte mit in einen Lebensstil, der so heißt wie der Ort, an dem sich die gesamte Handlung seit über 1150 Jahren abspielt: "Dersum".

Dersum ist nicht nur Ort, Dersum ist Lebensentwurf und Lebensgewissheit zugleich.

Mit NEUDERSUM und WEHRTANNEN, dem Orts-Bürgermeister Hermann Coßmann, dem langzeit gewählten Gemeinderat, seiner ländlichen, handwerklichen und gewerblichen Infrastruktur gemeinsam, ist die Grundlage eines Zusammenlebens gewonnen, die sicherlich nicht häufig anzutreffen ist:

Landwirte und Bauern, ein weltweit agierender Glas-Veredelungsbetrieb, Gewerbetreibende und Händler, alteingesessene Familien und Hinzugezogene, Angestellte, Arbeiter und Selbstständige, der Nachwuchs und die Alten sind mit den reichlich kommenden und wiederkehrenden Gästen zu einer Wertegemeinschaft gewachsen, die „in sich stimmig“ ist.

Dersum ist eine Kulturgeschichte gelungen, der kurze Zeit danach ein Bildband folgte, eine außergewöhnliche Inszenierung, die 2004 und 2005  für Gesprächsstoff im Emsland und darüber hinaus sorgte. Wie in einem Theaterstück erzählen die Autoren unter der Herausgeberschaft des Bürgermeisters in vielen Kapiteln die Geschichte des Ortes Dersum aus der Vorgeschichte, Frühgeschichte, aus großen und kleinen Zeitspannen bis hin zu den aktuellsten Geschehen.

Leben braucht kein Drehbuch, keine Regie, keine Komparsen, sondern nur Mit-Menschen, zwischen denen Handlungen erfolgen. Als Dersum „seinen“ Bürgerbaum erhielt, eine meisterliche Einmaligkeit integrativer Kunst zwischen symbolhaftem Trotz und glühender Stimmung, wagten Landesregierende Niedersachsens und Landkreisregierende Emslands Glückwünsche und freundschaftliche Komplimente. Der Faszination konnten sie sich nicht entziehen.

Von Freunden, Nachsichtigen, und von Neidischen
Erschien Dersum wie aus dem Nichts in der Geschichte des Emslandes?  Nein, es wurde auch nicht etwa „begründet“. In grauer Frühzeit siedelten Menschen am Ems-Ufer, nahe von Untergehölz, Strauch- und Baumgruppen, nur, um dort leben zu dürfen. Wandernde Menschen-Horden suchten eine Möglichkeit, zusammen zu leben, um Arbeiten aufzuteilen, sich dem Land und seinen Widrigkeiten anzupassen und dabei Lebensstil zu gewinnen. Diese Gegend war unwirtlich, aber relativ sicher vor Gefahren. Die nordwärts weggezogenen Gletscher der späten Eiszeit hatten Land hinterlassen, in dem Süßwasser von Süden her und Meerwasser im Gezeitenwechsel von Norden her mäanderten. Der Fluss war Verkehrsweg, die Gezeiten waren wegen der im ablaufenden Wasser zappelnden Fische Nahrungsquelle.

Freunde waren und sind die Lebenskameraden. Mit ihnen konnte und wird man die Gemeinschaft und später die Ortschaft gestalten. Jeder tut das, was er am besten kann. Freundschaft ist das Nebeneinander und Miteinander, das täglich erneuerte Alte, das man (er-)leben muss. Nicht Jeder muss in Freundschaft mit dem Anderen leben. Aus Unwägbarkeiten und aus Meinungsvielfalt keimt Beachtliches, Neues, Zukünftiges. Gesellschaft ist nicht beständig; sie formt sich mit ihrer Vielfalt. Über dem Leben in jeder Gemeinschaft steht die Hauptsorge um den Erhalt der Individualität. „Buten-Dersumer“ heißen hier die „Weggezogenen“. Sie bleiben aber in der Wertgemeinschaft der Dersumer, wie die 1150-Jahr-Feier zeigen konnte, selbst wenn sie über den halben Erdball reisen mussten.

Von Dazugezogenen
Nach anfänglichem Zögern pflegen die Einwohner auch Hinzukommenden  „Unterschlupf“ zu gewähren. Durch ihre einfache, offene und auch warmherzige Art erreichen Manche schnell, andere langsamer die Herzen der bodenständigen Bewohner. Leben ist nur sinnvoll möglich aufgrund gegenseitiger Nachsicht. Der Lebensstil der Einheimischen und das prickelnd Neue, das Hinzuziehende bringen, sind die Nachsicht wert. Dersum hat eine lange Entwicklung hinter sich. Dersum musste sich anpassen und auch zugleich behaupten. Das füllt dennoch eine jede Wertegemeinschaft, so auch hier. Manche Antlitze sprühen Lebensangst und Furcht. Menschen haben ihren Lebensentwurf und ihren Lebensstil, der nicht immer von Allen verstanden wird. Menschen können sich dann gedemütigt fühlen. Der tief verwurzelte Glauben aber verlangt ebenso Demut, aber eine andere, in der Vor- und Frühzeit traditionell, heute christlich. Sie ist wohl dasjenige Spirituelle, das schon immer in Lebensgemeinschaften linderte und in Dersum wahrlich gut vertreten ist. Im Alltäglichen das Leben als Erlebnis zu entdecken, ist eine Aufgabe, der sich die Dersumer stellen und mit der sie auch verfahren können.

Aufmerksamkeit ist gefordert
Dersum ist anstrengend, so anstrengend, wie das tägliche Leben-Dürfen. Die ungewöhnliche Kulisse des Dorfes fordert vom Bewohner und auch vom Betrachter höchste Aufmerksamkeit. Ständig sind alle Charaktere auf der Bühne Dersums, immer passiert irgendwo Irgendetwas. Das Unvorhersehbare ist das Wahrscheinliche in Dersum, und das zerrt von Zeit zu Zeit auch an den Nerven der Zuschauer. Nervenimpulse aber benötigen ihren besonderen Ausgleich. Daran ist Dersum reich. Nicht nur die spielende Gemeinschaft, die sich in den vielen Vereinen findet, sondern auch die sozio-ökologische Gemeinsamkeit, die sich beim Schlendern an Gärten, Wiesen und Auen widerspiegelt, strahlt Erhabenheit aus. Aus dem Schlendern wird Genießen markiger Baumgestalten und feenhafter Gräserbündel. Landbau und Viehwirtschaft kennzeichnen Umgang mit der Erde, auf der Dersum lebt.

Ungeahnte Geschenke
Dersum macht betroffen. Die Betroffenheit wird ausgelöst durch die Selbstverständlichkeit, mit der Dersumer leben, arbeiten, leisten, fühlen. Dank der hervorragenden Leistung der Dersumer kann man nur schwerlich Wahrnehmungen machen, die Unwirtlichkeit und Unvermögen darstellen. Dersumer sein zu dürfen, ist Geschenk. Gast sein zu dürfen, ist Geschenk. Stille ist ein Geschenk. Ausgleich zur Arbeit ist Geschenk. Dank der glücklichen Lage der Verkehrsanbindungen kann man Dersum gut erreichen; Dersumer sind in der Lage, auf dem Weg über die angrenzenden Straßen und die Nord-Süd-Autobahn-Auffahrt alle Ziele zu erreichen. Das alles sind Geschenke, die aus der Tatsache resultieren, dass Urahnen gerade diese, und keine andere Emsschleife zur Niederlassung wählten.

Schrifttum zu „Dersum“:
1. Schwarte, H. (Hsgb.):  Bernard, S.P., Hackmann, O., Koop, W., Kossen, K.,
Krallmann, H., Ross, H., Dr. Spranger, H., Twickler, H. & Weber, W.:
Dersum. Die Kulturgeschichte. Land-Zeit-Menschen-Leben.
Verlag Goldschmidt-Druck, Werlte 2004

2. Schwarte, H. (Hsgb.):  Kossen, K., Dr.Spranger, H. & Twickler, H.:
Dersum. Der Bildband. Nachlese zur 1150-Jahr-Feier.
Verlag Goldschmidt-Druck, Werlte 2004

 

*Universitätsprofessor a.D. Dr.habil. Dr.h.c.(UNFVL), Zahnarzt/Parodontologie, Master of Advanced Studies in Health Sciences, Literaturwissenschaftler und Vorstand der Akademie für Nachhaltige Gesundheitswissenschaften im college@inter-uni.net;
D-26906 Dersum, Email: dres.spranger@t-online.de, http://www.dr-spranger.net